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Wohnungseinbruch: "Seitdem hab' ich Angst ..."  -  Opfer meist auch psychisch geschädigt / Wissenschaftliche Studie untersucht Tatfolgen / Massenkriminalität nicht länger verharmlosen 

Rund 140.000 Einbrüche in Wohnungen und Häuser allein im vergangenen Jahr. Neben oft empfindlichen materiellen Verlusten müssen die Opfer in aller Regel auch psychische Folgeschäden hinnehmen. Eine Tatsache, die viel zu lange unbeachtet geblieben ist, für die Betroffenen jedoch immer wieder zu nachhaltigen Beeinträchtigungen führt. Eine Opferbefragung auf wissenschaftlicher Grundlage macht die Gefühle und Reaktionen der Geschädigten transparent. Der Auftrag zu dieser 1996 in den Mainzer Schriften veröffentlichten Studie der Universität Saarland kam vom Polizeipräsidium Darmstadt. 

 Rund 600 Opfer von Einbruchsdiebstählen aus dem Bereich der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg wurden in Form eines Fragebogens gebeten, sich u.a. dazu zu äußern, wie die Umwelt, die Polizei, Behörden und Versicherungen auf die Tat reagiert haben. Gleichzeitig hatten die Opfer Gelegenheit, ihre Gedanken und Gefühle sowohl unmittelbar nach der Tat, als auch nach einem größeren zeitlichen Abstand zu beschreiben. Mehr Sensibilität gegenüber den Opfern von Eigentumsdelikten gefordert.

 Vergleicht man die Empfindungen und Einschätzungen der Geschädigten von Wohnungseinbrüchen mit denen der Opfer von Raubüberfällen, lassen sich insbesondere, was die psychischen Folgeschäden betrifft, kaum vermutete Parallelen erkennen. Damit wird der Verharmlosung so genannter Eigentumsdelikte eine klare Absage erteilt und die Forderung  nach besserer psychischer Betreuung von Kriminalitätsopfern untermauert. Die Opferschutzorganisation appelliert seit langem an Gesetzgeber und Versorgungsverwaltung, die staatlichen Entschädigungsregelungen mehr auf die Bedürfnisse der Betroffenen auszurichten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Grundlage dafür sein, insbesondere die polizeiliche Arbeit qualitativ zu verbessern, um so Kriminalitätsopfern noch wirksamer als bisher bei der Bewältigung der Tatfolgen helfen zu können.

 Der Appell an einen sensibleren Umgang mit den Geschädigten richtet sich aber auch an den Bekannten- und Verwandtenkreis der Opfer, an die Ärzte und nicht zuletzt an die Versicherungen. "Es ist ja gar nichts passiert, stell' dich nicht so an", ist eine der häufigsten Reaktionen auf das vermeintliche Bagatelldelikt Wohnungseinbruch. Doch kommen solche Äußerungen meist von denen, die unbehelligt geblieben sind und den Gedanken an ein mögliches ähnliches Schicksal am liebsten verdrängen. Für die Opfer selbst aber wird das Erlebte sehr oft zum Alptraum. Dabei wiegen die seelischen Verwundungen oft schwerer als der materielle Schaden. Die tiefe Verletzung der Privatsphäre, die Enttäuschung über eine Polizei, die mehr verwaltet als ermittelt, die Verärgerung über Versicherungen, die nicht für jeden Schaden aufkommen und vor allem die Angst, dass es wieder passieren könnte, kann die Betroffenen oft über einen langen Zeitraum hinweg begleiten. 

Nicht selten schlagen Wut und Angst der Einbruchsopfer schließlich um in Enttäuschung gegenüber einem Staat, der seine Bürger nicht ausreichend zu schützen vermag. Hier wird die unmittelbare gesellschaftspolitische Bedeutung des viel zu lange verharmlosten Deliktes Wohnungseinbruch deutlich. Wut gegen die Täter und wenig Vertrauen in die Behörden Befragt nach ihren Gefühlen gegenüber dem Täter bezeichneten rund 87 Prozent der angesprochenen Opfer ihre Wut gegenüber dem Schädiger als ziemlich stark bzw. sehr stark, 65 Prozent fühlten sich hilflos. Auf die Frage, was mit dem Täter passieren soll, waren 90 Prozent der Auffassung, er habe für das, was er angerichtet hat zu büßen. Etwa die gleiche Zahl der Betroffenen plädierte dafür, dass er davor abgeschreckt werden müsste, noch einmal so etwas zu tun. 68,3 Prozent wollten den Täter aus dem Verkehr gezogen wissen. Für eine Wiedergutmachung des angerichteten Schadens sprachen sich knapp 82 Prozent aus. 

Befragt wurden die Opfer von Wohnungseinbrüchen auch nach ihren Gedanken und Gefühlen in den ersten zwei Monaten nach der Tat. Hier stand eindeutig der Wunsch nach Informationen über Hilfsmöglichkeiten im Vordergrund. 70 Prozent dachten gar nicht bzw. wenig daran, die Bedeutung und Tragweite des Geschehenen herunterzuspielen, 67 Prozent aller Befragten verspürten das Bedürfnis, aktiv etwas zur Lösung der Probleme zu unternehmen. Die Untersuchung der Universität Saarbrücken zeigt aber auch, dass der überwiegende Teil der Opfer (rund 85 Prozent) entweder gar kein oder nur ein eingeschränktes Vertrauen in die Behörden setzen, ihnen bei der Bewältigung der Tatfolgen behilflich sein zu können. Hoffnung auf Hilfe für viele Geschädigte ein Stück Tatbewältigung Die Frage, was ihnen am besten dabei geholfen hat, mit dem Erlebnis und seinen Auswirkungen fertig zu werden, beantworteten die Geschädigten zu einen Viertel mit der Hoffnung auf Hilfe. Für 17 Prozent war es die aktive Anstrengung zur Lösung der Probleme. 11,7 Prozent waren der Meinung, es sei gut, sich selbst Mut zu machen. Auch längere Zeit nach der Tat sind die Opfer gar nicht (51,6 Prozent) oder nur wenig (17,2 Prozent) dazu bereit, ihre Gefühle auch nach außen zu zeigen. 

Bei knapp 40 Prozent ist der Wunsch nicht mehr alleine sein zu wollen, ziemlich stark bzw. stark ausgeprägt. 88 Prozent der befragten Opfer von Wohnungseinbrüchen gaben an, Angst davor zu haben, wieder Opfer zu werden. 30 Prozent leiden sogar unter ziemlich starken bzw. starken Angstgefühlen. Unter dem bürokratischen Aufwand, der nach der Tat auf sie zukam, litten 87,8 Prozent aller Befragten, davon rund 30 Prozent ziemlich stark bis stark. Nahezu alle Opfer berichteten von materiellen Schäden, 40,6 Prozent bezifferten sie als ziemlich stark bzw. stark. 78,2 Prozent der Geschädigten hatten Ansprüche an die Versicherung geltend gemacht. In 11,1 Prozent der Fälle wurde keinerlei Erstattung gewährt. Eine Voll- bzw. Teilerstattung erfolgte zu gleichen Teilen (jeweils in 44,4 Prozent der Schadensfälle). 

Die meisten Einbruchsopfer leiden auch unter seelischen Schäden Seelischen Schaden nahmen rund 70 Prozent der Befragten, wobei es in 17 Prozent der Fälle auch zu körperlichen Beeinträchtigungen gekommen ist. Rund die Hälfte der Opfer (57,4 Prozent) waren infolge der Straftat von allgemeinen Ängsten geplagt. Unter Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten litten 41,6 Prozent, mit Alpträumen und Nervosität hatten jeweils 30 Prozent zu kämpfen. Gefragt wurde auch nach dem Zeitverlust, der sich aus der Aufarbeitung der erlittenen Straftat ergeben hatte. Er wurde von mehr als 70 Prozent der Opfer als belastend empfunden. Etwa ein Viertel der Geschädigten musste Vorwürfe von anderen über sich ergehen lassen. Wie wichtig die Kontaktaufnahme gerade zu Opfern von Einbruchsdiebstählen ist, zeigt, dass zwar 70 Prozent der Befragten wussten, dass es Opferhilfsorganisationen gibt, aber nur knapp 4 Prozent auch den Weg dorthin fanden. Therapeutische Hilfe wurde nur von ganz wenigen Betroffenen in Anspruch genommen. Niedrige Aufklärungsquoten: Zusätzliche Verbitterung und bleibende Angst Fazit: Die meisten der Geschädigten bleiben mit ihrem Ärger, mit ihrem Schmerz und mit ihrer Angst allein. Sie fühlen sich von den gesellschaftlichen Institutionen weitgehend im Stich gelassen. Die Polizei ist gerade beim Delikt Wohnungseinbruch oft hilflos und aufgrund der hohen Fallzahlen zudem überfordert, was sich nicht zuletzt in der niedrigen Aufklärungsquote widerspiegelt. 

1995 lag sie gerade mal bei 15,1 Prozent, beim Tageswohnungseinbruch (knapp 73.000 Fälle) sogar nur bei 13,7 Prozent. Auf die Frage, ob der oder die Täter gefasst wurden, antworteten lediglich 4,6 Prozent der Opfer mit Ja, jedoch 57,4 Prozent mit Nein. 38 Prozent der Geschädigten war über die Ermittlungstätigkeit der Polizei nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaften stellen die Verfahren oft ein und die Versicherungen versuchen, so gut wie möglich davonzukommen. Fast immer bleiben die Opfer auf einem Teil des Schadens sitzen. Den Verlust ganz persönlicher und liebgewonnener Dinge kann ohnehin niemand wiedergutmachen. Zu dem Schock, selbst Opfer eines Wohnungseinbruches geworden zu sein, der besonders bei älteren Menschen oft gravierende gesundheitliche Folgeschäden auslösen kann, kommt die Angst vor der erneuten Zerstörung der Privat- und Intimsphäre. Auch die Frage "Was wäre eigentlich passiert, wenn ich den Täter überrascht hätte?" beschäftigt vor allem die weiblichen Opfer und kann für lange Zeit das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit erheblich beeinträchtigen. 

Vor dem Hintergrund stetig steigender Kriminalität gerät vor allem ein Aspekt immer stärker ins Rampenlicht des öffentlichen Interesses und wird von zahlreichen Medien in dankenswerter Weise vertieft: Je mehr Menschen unter den Folgen von Kriminalität und Gewalt zu leiden haben, um so mehr schwindet das Vertrauen in den Rechtsstaat. 

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